Wie du dich rund um deine Lauftrainings richtig ernährst
Ernährung 8 min

Wie du dich rund um deine Lauftrainings richtig ernährst

Sich vor, während und nach den Einheiten richtig zu ernähren, verändert die Qualität deines Trainings und das Tempo deiner Regeneration. Hier stehen die einfachen, konkreten Prinzipien, die du anwenden kannst.

Matthieu Le Guen
Matthieu Le Guen
Lauf-Coach
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Die Ernährung rund um deine Einheiten ist nicht kompliziert, aber sie muss regelmäßig sein, um Früchte zu tragen. Sich vor, während und nach dem Training richtig zu ernähren, verbessert unmittelbar deine Empfindungen, deine Leistung und deine Regeneration. So strukturierst du diese Ernährung rund um deine Belastungen.

Die Makronährstoffe: den Treibstoff verstehen

Bevor wir ins Detail des Timings gehen, sehen wir uns gemeinsam an, was deinem Körper während der Belastung Energie liefert.

Die Kohlenhydrate bilden deinen wichtigsten Treibstoff. Einmal aufgenommen, werden sie zu Glukose, dann zu Glykogen, das in Leber und Muskeln gespeichert wird. Diese Reserven halten deine Belastungen am Laufen.

Die Proteine spielen eine grundlegende Rolle bei der Reparatur der während des Trainings beschädigten Muskelfasern. Ohne angepasste Proteinzufuhr stagniert die Regeneration.

Die Fette tragen zu langen Belastungen niedriger Intensität bei, verlangen aber eine langsamere Verdauung. Vor oder während der Belastung mit Maß zu konsumieren.

Diese drei Säulen arbeiten zusammen. Du baust keine wirksame Einheit auf, wenn du eine von ihnen vernachlässigst.

Vor der Einheit: Timing und Inhalt

Die Ernährung vor der Einheit erfüllt eine klare Funktion: dir Energie zu liefern, ohne die Verdauung zu stören. Hier sind die vier Szenarien, mit denen du konfrontiert wirst.

3 bis 4 Stunden vorher: eine vollständige, ausgewogene Mahlzeit. Komplexe Kohlenhydrate (Reis, Vollkornnudeln, Vollkornbrot), mageres Eiweiß (Fisch, Geflügel, Eier), Gemüse in angemessener Menge, wenig Fett. Das ist der Idealfall, der der Verdauung Zeit lässt, sauber abzulaufen.

1 bis 2 Stunden vorher: ein leichter Snack. Banane, Brot mit Honig, Joghurt, Kekse. Eher schnelle Kohlenhydrate, wenig Ballaststoffe, kein Fett. Sie liefern verfügbare Energie, ohne den Magen zu überladen.

30 Minuten vorher: Wenn du nicht früher essen konntest, genügt ein kohlenhydrathaltiges Getränk oder eine leichte Frucht. Meide alles, was eine aktive Verdauung verlangt.

Morgendliche Einheit direkt nach dem Aufstehen: Läufst du 30 Minuten in der Grundlagenausdauer gleich nach dem Aufstehen? Dann musst du nicht essen. Für eine Qualitätseinheit oder einen langen Lauf macht eine Banane oder eine Scheibe Brot 30 bis 45 Minuten vor dem Start den ganzen Unterschied.

Die zugrunde liegende Regel: Je näher du an der Einheit bist, desto leichter und schneller müssen die Kohlenhydrate sein. Je weiter entfernt, desto vollständiger dürfen die Mahlzeiten sein.

Rechenbeispiel

Zwei Läufer, zwei Uhrzeiten, zwei Herangehensweisen:

  • Läufer A, Intensitätseinheit um 7 Uhr: Frühstück 4 Stunden vorher (Vollkornbrot, Eier, Marmelade, Saft). Dann um 6:45 Uhr eine Banane.
  • Läufer B, langer Lauf um 18 Uhr nach der Arbeit: reichhaltiges Mittagessen 4 Stunden vorher (Nudeln, Geflügel, Gemüse). Dann um 17 Uhr ein Energieriegel zur Aktivierung. Beide kommen frisch und ohne Verdauungsschwere zur Einheit.

Während der Einheit: wann und wie viel du zuführst

Unter 1 Stunde Einheit genügt in den meisten Fällen reines Wasser. Du hast genug Glykogen auf Lager, und die aufgenommenen Kohlenhydrate hätten keine Zeit, verwertet zu werden.

Über 1 Stunde ändern sich die Dinge. Deine Reserven sinken, deine Leistung beginnt sich ohne Zufuhr zu verschlechtern.

Zwischen 1:00 und 1:30 Std.: 30 g Kohlenhydrate pro Stunde reichen aus. Ein Sportgetränk mit 6 % Kohlenhydraten (450 ml liefern ~30 g) oder ein Energiegel zur Mitte der Einheit. Nicht mehr.

Zwischen 1:30 und 2:30 Std.: 30 bis 60 g Kohlenhydrate pro Stunde je nach Intensität. Sportgetränk + 1 oder 2 Gels.

Über 2:30 Std.: 60 bis 90 g Kohlenhydrate pro Stunde. Du kombinierst Glukose und Fruktose, um zwei Transportwege zugleich zu nutzen. Getränk + Gels + gegebenenfalls feste Nahrung. Für die Einzelheiten konsultier den Ratgeber Verpflegungsstrategien für den Marathon.

Eine Praxis, die alles verändert: das „Gut Training" oder Verdauungstraining. Du beginnst mit einer Zufuhr alle 45 Minuten und reduzierst dann schrittweise (40, 35, 30 Minuten), während sich dein Verdauungssystem anpasst. Dieses Lernen dauert 4 bis 8 Wochen, aber es festigt deine Toleranz.

Zum Merken
  • Einheiten < 1 Std.: reines Wasser
  • 1:00–1:30 Std.: 30 g Kohlenhydrate/Stunde
  • 1:30–2:30 Std.: 30–60 g Kohlenhydrate/Stunde
  • 2:30 Std.: 60–90 g Kohlenhydrate/Stunde (Glukose + Fruktose)

  • Schrittweise: mit alle 45 Min. beginnen, nach und nach reduzieren

Nach der Einheit: auffüllen, reparieren, hydrieren

Die 30 bis 60 Minuten nach deiner Belastung sind ein wichtiges Fenster für die Regeneration. Drei klar definierte Ziele.

Rehydrieren: Du hast während der Belastung Wasser verloren. Gleich es in der folgenden Stunde schrittweise aus, in kleinen, regelmäßigen Schlucken. Ziel auf etwa das 1,5-Fache des verlorenen Volumens, idealerweise mit etwas Natrium, wenn die Einheit intensiv oder bei Hitze war.

Das Glykogen auffüllen: Die Zufuhr von Kohlenhydraten (1 bis 1,2 g pro Kilo Körpergewicht in den folgenden 2 Stunden) beschleunigt das Auffüllen der Reserven. Konkret: eine Mahlzeit mit einer guten Portion komplexer Kohlenhydrate oder ein kohlenhydratreicher Snack, wenn die vollständige Mahlzeit warten muss.

Proteine für die Reparatur liefern: 20 bis 30 g Protein in den folgenden 60 Minuten fördern die Muskelproteinsynthese. Für dich entspricht das einem griechischen Joghurt, einer Portion Frischkäse, drei Eiern oder 30 g Schinken.

Der klassische Fehler: sich beim Heimfahren im Auto auf einen Proteinshake stürzen. Das ist nicht nötig. Eine Dusche, dann eine ausgewogene Mahlzeit in der folgenden Stunde reichen völlig aus. Wenn die vollständige Mahlzeit warten muss, begrenzt ein kleiner Snack (Frucht + Magerquark oder Brot + Honig) den Schaden.

Für die tieferen Auswirkungen der ernährungsbezogenen Regeneration geht der Ratgeber Regeneration und Optimierung nach einer Bein-Einheit deutlich weiter.

Sich trotz engem Zeitplan organisieren

Zeitmangel ist die Ausrede Nummer eins. Und doch machen einige einfache Handgriffe das machbar.

Plan deine Mahlzeiten und Snacks im Voraus. Weißt du, dass morgen um 18 Uhr eine Intensitätseinheit ansteht? Bereite dein vollständiges Mittagessen 4 Stunden vorher zu und steck einen Riegel in deine Tasche.

Bereite deine Snacks am Vorabend vor. Marmeladensandwich, Kompott, Energieriegel. Diese praktischen Formate verlangen am Wettkampftag keine Improvisation.

Nutz die gebrauchsfertigen Formate: Proteinshakes, Kompott im Beutel, Energiegels. Das ist in Sachen absoluter Qualität nicht ideal, aber besser als nichts.

Ist die Routine einmal über 4 bis 6 Wochen etabliert, wird sie zum Automatismus. Du navigierst nicht mehr auf Sicht. Du weißt genau, was dein Körper vor jedem Einheitstyp braucht.

Die interindividuelle Variabilität bei der Verdauungstoleranz und der Kohlenhydrataufnahme ist bei Läufern sehr groß. Bei gleichem Ernährungsprotokoll können zwei Läufer sehr unterschiedliche Empfindungen und Leistungen zeigen. Deshalb ist die persönliche Beobachtung – das, was für dich funktioniert – immer mehr wert als das perfekteste theoretische Protokoll. Notier deine Einheiten, was du gegessen hast, wie es gelaufen ist. Nach einigen Monaten entsteht ein sehr verlässliches persönliches System.

Die Tage ohne Laufen

An deinen Ruhetagen isst du weiterhin ausgewogen, ohne radikal von den Trainingstagen abzuweichen. Du kannst die Kohlenhydrate leicht reduzieren, wenn deine Belastung gering ist, aber achte darauf, nicht in die Falle zu tappen, einen freien Tag durch Restriktion „ausgleichen" zu wollen.

Dein Körper regeneriert während dieser Ruhetage. Er braucht Energie für diese Regeneration. Eine zu karge Ernährung an den Tagen ohne Laufen beeinträchtigt die Qualität deiner nächsten Einheit. Es ist eine Investition in deine künftigen Leistungen, kein Diättag.

Für die langfristigen Prinzipien konsultier den Ratgeber welche Ernährung du für Fortschritt und Verletzungsprävention wählen solltest.

Die Falle der Verkomplizierung

Viele Läufer lesen sehr detaillierte Artikel über die Ernährung rund ums Training und wenden am Ende ein zugleich starres und unpraktikables Protokoll an. Das ist nicht die richtige Richtung.

Wirksame Ernährung hält sich an einige einfache Prinzipien: mindestens 2 bis 3 Stunden vorher normal und ausgewogen essen, den Magen kurz davor nicht überladen, während der Belastung hydrieren, wenn sie 1 Stunde überschreitet, in der folgenden Stunde ausgewogen essen. Das ist alles. Keine ultrakomplexen Protokolle für 95 % der Freizeitläufer.

Die Starrheit erzeugt eine mentale Last, die am Ende ermüdet. Sie verhindert die Flexibilität gegenüber Unvorhergesehenem. Sie kann sogar in eine Orthorexie abgleiten – ein gestörtes Verhältnis zur Ernährung, das der Leistung nie hilft.

Such die Beständigkeit über die Zeit statt die Perfektion in der Einheit. Das ist das Prinzip, das ich dir rate: dauern statt glänzen – auch in der Ernährung.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Auf diesen Prinzipien baust du dein persönliches System auf, angepasst an deine Physiologie, deinen Rhythmus, deine Zwänge. Und es ist diese Passung, die dauerhafte Leistung hervorbringt.

Läuferin beim ausgewogenen Frühstück mit Porridge, Früchten und Nüssen vor dem Training

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Über den Autor

Deine Guides werden geschrieben von diplomierte Coaches

Matthieu Le Guen

Matthieu Le Guen

Lauf-Coach

Matthieu Le Guen ist ein ehemaliger Straßenläufer, der zum Trail gewechselt ist. Zum Laufen kam er spät, mit über dreißig, als Ventil für den Stress des Alltags. Sehr schnell hat ihn die methodische Progression gepackt: strukturierte Pläne und das genaue Verständnis der Belastung. Seine Haltung ist einfach: durchhalten statt glänzen, aufbauen statt erzwingen. Bei Preparun teilt er einen pragmatischen Trainingsansatz, der auf Regelmäßigkeit, Verletzungsprävention und der Vereinbarkeit mit dem Berufsleben beruht. Besonders gern begleitet er Freizeitläufer zu ihrem ersten Trail oder ihrem ersten Marathon, mit beruhigenden und realistischen Worten.

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